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Mittwoch

Goldman Sachs: Zentralbanken kaufen weltweit massiv Gold an, um sich vom Dollar zu lösen

Analysten der Wall Street Bank Goldman Sachs prognostizieren, dass der Goldpreis im kommenden Jahr steigen wird. Als Grund geben sie die steigende Nachfrage nach dem gelben Edelmetall im Bereich der Zentralbanken an. Diese gehen den Weg der Entdollarisierung.

Der Goldpreis wird im nächsten Jahr auf 1.600 US-Dollar pro Unze steigen, prognostizierte die Wall Street Bank Goldman Sachs. Den Berechnungen zufolge werden Zentralbanken ein Fünftel des weltweiten Angebots des gelben Metalls ankaufen. Der Leiter der globalen Rohstoffforschung bei Goldman Sachs Jeff Currie erklärte gegenüber Bloomberg:

Die Nachfrage der Zentralbanken nach Gold ist seit der Nixon-Ära am größten und konsumiert 20 Prozent des globalen Angebots.

Die Leute bevorzugen Gold gegenüber Anleihen, da die Anleihen diese Entdollarisierung nicht widerspiegeln werden.

Goldman Sachs-Analysten verwiesen auf die "angstgesteuerte Nachfrage" nach dem Edelmetall und sagten letzte Woche voraus, dass Anleger ihre langfristigen Anleihenbestände mit Gold diversifizieren werden. Goldman Sachs Analyst Mikhail Sprogis sagte gegenüber Kitco News:

Die langfristige Ausrichtung hängt davon ab, was mit dem globalen Wachstum geschehen wird. Je weiter Sie gehen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die USA eine Rezession erleiden werden. Wir haben einen Goldpreis von 1.600 US-Dollar, der bis 2021 bestehen könnte.

Am Dienstag lag der Goldpreis bei rund 1.463 US-Dollar pro Unze.

Sprogis sagte, dass die Goldnachfrage der Zentralbanken von der Nachfrage aus Russland, der Türkei, China, Polen und anderen Ländern angetrieben wird.

Statistiken zeigen, dass Hedgefonds und andere große Spekulanten ihre bullischen Wetten auf das Edelmetall in der Woche zum 3. Dezember um 8,9 Prozent erhöhten. Das ist der größte Anstieg seit Ende September.

Zentralbank: Russland weit weniger abhängig vom US-Dollar oder anderen Fremdwährungen

Die Russische Föderation ist bereit, seine Abhängigkeit von ausländischen Währungen deutlich zu verringern. Das erklärte der Leiter der Forschungs- und Prognosestelle der russischen Zentralbank Alexander Morosow in einem RT-Interview.

Moskau ist dabei, den Anteil von US-Dollar an seinen internationalen Devisenreserven zu verringern, und halbierte den Anteil der US-Währung an seinen Beständen innerhalb eines Jahres auf rund 24 Prozent.

Diese Diversifizierung könnte dazu beitragen, Risiken, einschließlich derer, die mit den Sanktionen verbunden sind, zu mindern. Das teilte der Leiter der Forschungs- und Prognosestelle der russischen Zentralbank Alexander Morosow am Rande des 5. Russisch-Britischen Wirtschaftsforums (RBBF) in London mit. In einem Interview mit RT sagte er:

Wir haben da bereits bedeutende Fortschritte gemacht. Wenn wir die aktuelle Situation mit der vergleichen, die wir vor zehn Jahren hatten, so ist das russische Finanzsystem – was auch immer passiert – viel stabiler geworden.

Er wies jedoch darauf hin, dass die vollständige Abwendung vom US-Dollar nie das Ziel gewesen sei. Moskau wolle bloß die Risiken kontrollieren, die jede Währung mit sich bringen könnte, wie zum Beispiel Liquidität oder Änderungen des Wechselkurses. Morosow betonte:

Da Russland mit vielen Ländern in verschiedenen Währungen handelt, sind wir natürlich daran interessiert, einen Teil der Fremdwährung in der Struktur unserer Vermögenswerte zu halten. Wir hatten also nicht das Ziel, den US-Dollar, den Euro oder eine andere Währung vollständig loszuwerden.

Die russischen Devisen- und Goldreserven sind in den letzten Jahren stetig gewachsen und haben dank des Haushaltsgesetz bereits den Wert von einer halben Billion US-Dollar überschritten.

Dieses Gesetz zielt darauf ab, die Wirtschaft der Nation abzuschirmen und zu stabilisieren. Sie impliziert, dass, wenn der Ölpreis höher als 42 US-Dollar pro Barrel ist, zusätzliches Geld aus den russischen Roh- und Gasexporten an den russischen Nationalen Vermögensfonds überwiesen wird.

Wenn die Rohölpreise also über der im Haushaltsgesetz festgelegten Schwelle bleiben, werde Russland laut dem Zentralbankbeamten seine Gold- und Devisenreserven weiter erhöhen.

Montag

Zinsentscheid der EZB entlastet deutsche Banken um 520 Millionen Euro

Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Einlagenzinsen der Banken weiter abzusenken, wird weithin in Deutschland kritisiert – insbesondere vom Bankenverband. Dabei rechnet dieser selbst mit einer Entlastung der deutschen Banken durch die EZB-Maßnahme.

Die neuen Regelungen der Europäischen Zentralbank (EZB) sehen eine weitere Senkung der Einlagenzinsen für Kreditinstitute von minus 0,4 Prozent auf minus 0,5 Prozent vor. Nominell erhöhen sich damit die Strafzinsen für die Institute, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank "parken". Zugleich nehmen die Hüter des Euro jedoch zukünftig einen Teil der Überschussliquidität jener Geldinstitute von den Strafzinsen aus.

Das Handelsblatt schreibt zusammenfassend zum neuen Maßnahmenpaket der EZB:

Die Notenbank senkt die Zinsen und signalisiert Investoren und Sparern, dass sie sich noch sehr lange Zeit mit niedrigen Sätzen abfinden müssen. Außerdem will sie ab November ihre Anleihekäufe neu starten. Die Banken, deren Vertreter seit Wochen vor niedrigeren Zinsen warnen, sollen aber durch ein sogenanntes Tiering, also eine Staffelung des Einlagenzinses, und durch noch günstigere Konditionen für Langfristkredite entlastet werden.

"Das Paket ist ziemlich wirkungsvoll, sowohl kurz- als auch langfristig", zitiert das Handelsblatt den scheidenden EZB-Präsidenten Mario Draghi, der die geldpolitischen Maßnahmen mit dem anhaltenden wirtschaftlichen Abschwung, Risikofaktoren wie dem Handelskrieg und mit der Abwärtskorrektur der Inflationsprognosen begründete.

Weiter berichtet das Handelsblatt von einer Anfrage am 13. September seitens der Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg an den Bundesverband deutscher Banken (BdB). Demnach erklärte der BdB auf der Grundlage eigener Berechnungen, dass deutsche Banken infolge der neuen Zinsentscheidung der EZB netto um etwa 520 Millionen Euro pro Jahr entlastet werden. Die alte Zinsregelung habe die Institute knapp 2,4 Milliarden Euro jährlich gekostet. Künftig würden hingegen nur noch 1,9 Milliarden Euro jährlich als Strafzinsen fällig. Ohne die neu eingeführte Staffelung wären die jährlichen Einlagenzinsen auf drei Milliarden Euro gestiegen.

Andere Berechnungen gehen – dem Focus zufolge – von noch höheren Entlastungen durch die an der Schweiz orientierte neue, gestaffelte Einlagenzinsregelung der EZB aus. Europaweit würden sich die Strafzinsen für das Bankwesen nur noch auf sechs statt neun Milliarden Euro jährlich belaufen. Für die deutschen Geldinstitute ergäbe sich damit sogar eine Entlastung von 900 Millionen Euro pro Jahr, gegenüber der BdB-Schätzung von "nur" 520 Millionen Euro.

Auch die – unter anderem vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) lancierte – Spekulation über "Negativzinsen" für deutsche Sparer, die sich aus der drohenden Abwälzung der durch die EZB erhöhten Strafzinsen für die deutschen Banken auf deren Kunden zwangsläufig ergäben, wird durch die eigenen Berechnungen des Bankenverbandes nicht gestützt – sondern im Gegenteil entkräftet.

 

Freitag

Pilotprojekt gestartet: Russlands nationales Zahlungssystem MIR expandiert nach Europa

Das von Russland als Reaktion auf westliche Sanktionen entwickelte MIR-Zahlungssystem soll auf den europäischen Markt ausgeweitet werden. Ein Pilotprojekt wurde am Mittwoch auf dem Russisch-Britischen Wirtschaftsforum in London gestartet.

Russland will sein nationales Zahlungssystem MIR auf Europa ausweiten und startete am Mittwoch während des Russisch-Britischen Wirtschaftsforums in London ein Politprojekt, das dies ermöglichen soll.

Das Unternehmen PayXpert soll die Produktion der MIR-Karten in Europa übernehmen. Großbritannien wird das erste Land sein, in dem das System startet. Das teilte der CEO des MIR-Zahlungssystems Wladimir Komlew während des Forums mit. Er sagte:

Der Start unseres gemeinsamen Projekts mit PayXpert ist der erste und wichtigste Schritt in der Entwicklung der MIR-Etablierung in Europa, die den Grundstein für neue vielversprechende Trends in der Expansion russischer Zahlungskarten im Ausland legen wird.

Es wird erwartet, dass das russische Zahlungssystem den Zugang zum russischen Verbrauchermarkt öffnet und den Umsatz zwischen Russland und dem Vereinigten Königreich erhöht, da es den Zahlungsverkehr für Kunden verschiedener Unternehmen vereinfacht. Auch der Tourismussektor wird von dem Projekt profitieren, da jährlich mehr als 40 Millionen russische Touristen nach Europa reisen. Der russische Handelsvertreter im Vereinigten Königreich Boris Abramow betonte:

Die Demonstration des Potenzials der russischen Finanzdienstleistungen im Ausland ist äußerst wichtig.

Der Beamte versprach außerdem, man werde an der Anbindung weiterer Organisationen im Vereinigten Königreich an das Zahlungssystem mitwirken.

PayXpert erklärte, dass MIR "ein solides grenzüberschreitendes Zahlungssystem" ist, das ein Unternehmen für mehr als 147 Millionen russische potenzielle Kunden attraktiv machen und Zugang zu neuen osteuropäischen und asiatischen Märkten schaffen kann.

Moskau begann mit der Entwicklung eines eigenen nationalen Zahlungssystems, als die USA im Jahr 2014 Sanktionen gegen Russland verhängten. Damals konnten Kunden mehrerer russischer Banken aufgrund der Einschränkungen vorübergehend ihre Visa und Mastercard nicht nutzen. Seit der Einführung des neuen Systems haben russische Banken bereits mehr als 69,7 Millionen MIR-Karten herausgegeben.

Russland erwägt Abschaltung von Visa und MasterCard wegen US-Sanktionen

Moskau sieht sich im kommenden Januar mit der Aussicht auf stärkere US-Sanktionen konfrontiert, da der US-Kongress ein neues Paket antirussischer Sanktionen diskutieren wird. Die russische Zentralbank warnt die Kreditgeber im Land vor möglichen Risiken.

Die Zentralbank Russlands empfiehlt, dass russische Finanzinstitute notwendige Präventivmaßnahmen ergreifen, falls deren Partnerbanken gezwungen werden sollten, die Verbindung zu Dienstleistungen über die beiden weltweit am häufigsten verwendeten Zahlungssysteme Visa und MasterCard einzustellen, so die russische Wirtschaftszeitung Wedomosti.

Zu den Banken, die derzeit als Vermittler tätig sind, gehören Credit Union "Payment Center", einer der größten privaten Kreditgeber Russlands, Uralsib, Rosbank, die als russische Tochtergesellschaft der internationalen Finanzgruppe Societe Generale tätig ist, Russlands zweitgrößte Bank WTB und die Promswjasbank.

WTB und Promswjasbank wurden bereits in die Liste des Countering America's Adversaries Through Sanctions Act (CAATSA) aufgenommen, der im vergangenen Sommer vom US-Kongress verabschiedet wurde. Die Gesetzgebung erlaubt es Washington, Sanktionen gegen Unternehmen und Einzelpersonen einzuführen, die als feindlich gegenüber den USA oder loyal gegenüber Regimen, die den USA feindlich gesinnt sind, angesehen werden.

Die Zentralbank von Russland empfiehlt, dass russische Banken nach einem alternativen Träger suchen, der die aktuellen Anbieter Visa und MasterCard ersetzen könnte, einen Wartungsvertrag abschließen und eine Integrationsmöglichkeit testen sollte.

Als Reaktion auf Sanktionen hat Russland ein eigenes nationales Zahlungssystem entwickelt. Nachdem Kunden mehrerer russischer Banken aufgrund von US-Sanktionen vorübergehend nicht in der Lage gewesen sind, Visa und MasterCard zu verwenden, wurde 2015 das Zahlungssystem MIR eingeführt. Allein im Juni 2018 wurden 37 Millionen MIR-Karten ausgestellt.

Anfang dieses Monats erklärte der Sberbank-Chef German Gref, dass ein oder zwei der russischen Kreditgeber anfällig für mögliche US-Sanktionen seien. Gref betonte jedoch, dass keine der Großbanken mit Sanktionen belegt werden würde.

Dienstag

Das wiederholte Scheitern der IWF-Rezepte – Strategie oder Irrtum?

Die Geschichte der (Miss-)Erfolge des Internationalen Währungsfonds (IWF) speziell in Lateinamerika zeigt die schwerwiegenden sozialen und politischen Konsequenzen in den Ländern, die dessen wirtschaftliche Rezepte im Gegenzug für Kredithilfen umgesetzt haben.

Die Beschränkungen, denen die Entwicklungsländer Lateinamerikas oft bei der Aufnahme ausländischer Kredite ausgesetzt sind, haben im Laufe der Jahre eine enge und turbulente Beziehung zwischen der Region und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) hervorgebracht. Dessen Intervention als Kreditgeber ist in der Regel mit tiefen Wirtschaftskrisen verbunden – insbesondere vom sogenannten "verlorenen Jahrzehnt", den 1980er-Jahren, bis heute.

In den meisten Fällen hatten aufeinanderfolgende liberale Regierungen nach den Vorschriften des Fonds rezessive Anpassungen vorgenommen, die auf die Bevölkerungen durchschlugen und derartigen sozialen Unmut hervorriefen, dass er seinerseits die in den jeweiligen Ländern herrschende Elite erschütterte.

Ecuador hat sich vor Kurzem in die Gruppe von Nationen eingereiht, die am eigenen Leib die Folgen unbezahlbar hoher Schulden spüren: eine finanzielle Katastrophe und eine unausweichliche soziale Krise – und dies, obwohl mit Argentinien, Haiti, Bolivien und Venezuela bereits andere Länder mit sehr unterschiedlichen Volkswirtschaften gleiches durchgemacht haben.

Mehr zum Thema - Ecuadors Staatschef Lenín Moreno sagt wegen Protestwelle Deutschlandbesuch ab

Zwar vergibt der IWF im Rahmen seiner Vereinbarungen mit sogenannten Schwellenländern Kredite zu niedrigeren Zinssätzen als auf dem privaten Finanzmarkt. Doch dafür verlangt er im Gegenzug von den Regierungen, ökonomische Strukturreformen durchzuführen, um ihr Haushaltsdefizit zu verringern. Die Umsetzung dieser Reformprogramme wird vom IWF selbst penibel überwacht. Wie sehen also die bisherigen Ergebnisse in den jeweiligen Ländern aus?

Venezuela

Im Februar 1989 führte die ohnehin schon unbeliebte venezolanische Regierung von Carlos Andrés Pérez eine Reihe von Wirtschaftsreformen (bekannt als "Paquetazo") durch, die vom IWF gegen Gewährung eines Darlehens von 4,5 Milliarden US-Dollar auferlegt wurden.

Die Rezeptur war zweifellos explosiv: Preissteigerungen bei Benzin, öffentlichen Verkehrsmitteln, Lebensmitteln und anderen Gütern des täglichen Bedarfs kombiniert mit dem Einfrieren der Löhne.

Der Volkszorn dagegen ließ nicht lange auf sich warten. Die ersten Unruhen und Plünderungen auf den Straßen begannen am 27. Mai in der Stadt Guarenas im Bundesstaat Miranda, weiteten sich aber bald auf ganz Venezuela aus. Pérez reagierte mit verschärfter Gewalt der Sicherheitskräfte. Das Resultat waren nach offiziellen Angaben 2.000 Tote. Nichtstaatliche Schätzungen sprechen von doppelt so vielen Opfern.

Argentinien

Die Krise von 2001 in Argentinien ist ein wiederholtes Beispiel dafür, wie die Maßnahmen des IWF in den Entwicklungsländern Lateinamerikas auf schlimmste Weise enden können. Nach dem neoliberalen Jahrzehnt unter Präsident Carlos Menem (1989–1999) wurden die finanzielle Situation und die Probleme der Auslandsverschuldung für die nachfolgende Regierung von Fernando de la Rúa (1999–2002) unhaltbar, indem sie trotz der Veränderungen des globalen Umfeldes die feste Bindung des argentinischen Peso an den US-Dollar aufrechterhielt.

Im Dezember kappte der IWF den Zufluss der Wirtschaftshilfe angesichts der finanziellen Instabilität und der Zahlungsunfähigkeit des Landes. Die angewandten Anpassungsmaßnahmen taten das Übrige, und die Ausrufung des sogenannten "corralito", der Bankenbeschränkung für den Bargeldbezug, ließ die aufgeheizte Situation schließlich komplett explodieren.

Die Eskalation der Gewalt auf den Straßen von Buenos Aires erreichte am 19. und 20. Dezember mit der Verhängung des Ausnahmezustandes und einer beispiellosen Repression ihren Höhepunkt: 39 Zivilisten wurden getötet und mehr als 200 verwundet. Innerhalb weniger Stunden verließ De la Rúa den Präsidentenpalast per Hubschrauber. Auf ihn folgten in nur elf Tagen sage und schreibe vier Präsidenten.

Die Erinnerung an die damalige verheerende Bilanz des IWF ist bei den meisten Argentiniern noch sehr lebendig. Dennoch greift er seit 2018 erneut massiv in die Geschicke des Landes ein. Diesmal auf Ersuchen der Regierung von Mauricio Macri, die mit dem Fonds einen Kredit über die Rekordsumme von 57 Milliarden US-Dollar vereinbarte.

Nachdem die Regierung eine drastische Haushalts- und Währungsanpassung vorgenommen hatte und immer noch nicht in der Lage war, das besorgniserregende Inflationsniveau unter Kontrolle zu bringen – 2018 lag sie bei 47,6 Prozent, dem höchsten in Lateinamerika nach Venezuela –, ging sie den Weg in die Verschuldung. In wenigen Monaten wurde Argentinien in der Region diesbezüglich zum Spitzenreiter: Seine Zahlungsverpflichtungen machen nach offiziellen Angaben bereits 58 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus.

Mit einer zunehmend düsteren Wirtschaftssituation und einem Anstieg der Armut von 32 Prozent auf 35,4 Prozent der Bevölkerung in der ersten Jahreshälfte 2019 wurde Macri bei den Vorwahlen im August vom peronistischen Kandidaten Alberto Fernández mit einem Abstand von 16 Prozentpunkten deutlich geschlagen. Obwohl die eigentlichen Präsidentschaftswahlen am 27. Oktober stattfinden, erschütterte das wachsende Misstrauen an den Finanzmärkten alle Wirtschaftsindikatoren des Landes.

Nach einer abrupten Abwertung der Landeswährung im August – der US-Dollar stieg von 42 auf 59 Pesos – ergriff die Regierung eine Reihe von Maßnahmen zur Devisenkontrolle und schlug vor, die Zahlungsfristen gegenüber dem IWF zu verlängern.

Da das Land die vom Fonds gesteckten Ziele in der Geld-, Steuer- und Haushaltspolitik nicht erreichen konnte, litt das Verhältnis zwischen der Regierung und dem IWF. Dieser kürzte daraufhin die für September von Macri erwartete Auszahlung einer Kredittranche über 5,4 Milliarden US-Dollar und gab kategorisch zu verstehen, über die weitere Zukunft der Vereinbarung erst nach den Präsidentschaftswahlen zu verhandeln.

Bolivien

Im April 2003 nahm Bolivien eine IWF-Kreditlinie von 124,5 Mio. US-Dollar in Anspruch, die sich dann auf insgesamt 248,9 Mio. US-Dollar erhöhte. Die Regierung von Ignacio Sánchez de Lozada setzte in der Folge auf eine Reihe wirtschaftlicher Sparmaßnahmen und die Privatisierung verschiedener staatlicher Ressourcen. Zudem versuchte sie, einen Plan für den Export von Erdgas über Chile in die USA voranzutreiben, eine Initiative, die den bereits brodelnden sozialen Unmut noch zusätzlich anheizte.

Im Oktober desselben Jahres ließ die Staatsgewalt einen Volksaufstand in der Stadt El Alto niederschlagen. Mindestens 63 Menschen starben, 400 weitere wurden verletzt.

Die Proteste und ein Generalstreik führten zum Rücktritt der

Die Auslandsverschuldung Ecuadors, das den US-Dollar als nationale Währung nutzt, lag im März 2019 bei über 37 Milliarden US-Dollar. Nachdem Ecuador im selben Monat ein IWF-Darlehen von mehr als 4,2 Milliarden US-Dollar zugesichert bekam, gab die Regierung von Lenín Moreno Anfang Oktober eine Reihe von wirtschaftlichen Maßnahmen bekannt, die im Einvernehmen mit der internationalen Finanzorganisation darauf abzielen, "die Armen Regierung der Nationalen Revolutionären Bewegung (MNR). Die Führungsriege der Bauern- und Gewerkschaftsbewegung, die an der Spitze der Erhebung standen, machten den IWF und dessen Kreditbedingungen für die Krise mitverantwortlich. "Wir lernen aus den Erfahrungen, die wir in jedem Land machen", so der Kommentar des damaligen Sprechers des IWF, Tom Dawson.

Ecuador

und Schwächsten zu schützen".

Als eine der Maßnahmen kündigte Moreno die Streichung der Subventionen für Kraftstoffe an. Deren Preise stiegen damit schlagartig um 123 Prozent.

Darüber hinaus will Moreno eine Reform des Arbeitsrechts vorantreiben, die eine deutliche Reduzierung der Leistungen für die Beschäftigten im öffentlichen Sektor vorsieht, etwa die Halbierung der Urlaubszeiten, eine Lohnkürzung von 20 Prozent bei Gelegenheitsverträgen sowie den Einbehalt von mindestens einem Tageslohn pro Monat.

Die Ankündigungen lösten einen Verkehrsstreik und Volksaufstände aus, bei denen es zu Ausschreitungen und Plünderungen in der Hauptstadt Quito sowie in der Küstenmetropole Guayaquil und weiteren Städten des Landes kam. Als Reaktion auf diese Demonstrationen hat der Präsident am vergangenen Donnerstag einen 60-tägigen Ausnahmezustand verhängt, um "die Sicherheit zu gewährleisten". Kurz darauf unterstützte der IWF die Maßnahmen mit der Begründung, dass ihr Ziel "die Förderung eines soliden und umfassenden Wachstums" sei. Die Proteste gehen auch nach der Aufhebung des Streiks weiter.

Offizielles Logo des Internationale Währungsfonds (International Monetary Fund - IMF)

Mehr lesen: Russischer Spitzenbanker: Internationaler Währungsfonds sollte abgeschafft werden

Finanzierung der Kapitalflucht

Betrachtet man diese und andere Fälle von mehr oder weniger großen sozioökonomischen Auswirkungen der IWF-Rezepte in Lateinamerika, stellt sich die Frage: Gab es eine erfolgreiche Operation des Fonds auf dem Kontinent?

Für den argentinischen Historiker Leandro Morgenfeld, der sich auf die Länder der Region und ihre Beziehungen zu den USA spezialisiert hat, ist es bei der Frage nach dem Erfolg des IWF unabdingbar zu analysieren, was wessen Ziele wofür sind.

Der IWF war vor allem in den letzten 25 bis 30 Jahren das Instrument zur Verteidigung der Interessen der großen Konzerne der Vereinigten Staaten und der anderen G7-Länder, insbesondere der europäischen", so Morgenfeld.

Ein gemeinsamer Faktor der lateinamerikanischen Volkswirtschaften, die sich an den IWF wenden, ist, dass sie trotz der Bereitstellung von Millionen von US-Dollar vor Liquiditätsproblemen stehen. Dies lässt den Schluss zu, dass die Finanzhilfe nicht den vorgeblichen Zielen entspricht oder in anderen Ländern landet.

Im Allgemeinen geraten die Regierungen in Liquiditätsprobleme, da trotz der formalen Satzung des Fonds in vielen Fällen, wie etwa in Argentinien, die Gelder des IWF zur Finanzierung der Kapitalflucht verwendet werden. Dies führt zu einem externen Engpass der weiteren Geldversorgung, der in der Regel in einer Anpassung durch Abwertung endet, so wie es in meinem Land üblich ist", sagt der Historiker.

Morgenfeld erinnert daran, dass Argentinien während der 1990er Jahre unter Präsident Menem als einer der Vorzeigeschüler des IWF gehandelt wurde, weil es dessen Rezepten buchstabengetreu gefolgt war. Als die Krise von 2001 ausbrach, wurde auch die Legitimität des Fonds stark in Frage gestellt. Und die Strategie dieses Finanzinstituts war es, sich Jahre später als eine gewandelte Institution zu präsentieren, die aus ihren "Fehlern der Vergangenheit" gelernt habe.

Morgenfeld betont jedoch, dass die Wirklichkeit dieser Darstellung des IWF widerspricht.

Abgesehen von bestimmten Nuancen wird deutlich, dass die Kreditbedingungen in Form der Senkung der Ausgaben und Reduzierung des öffentlichen Sektors in gleicher Weise fortbestehen. Schließlich ist der IWF kein neutrales technisches Gremium, das darauf abzielt, die Volkswirtschaften zu sanieren. Er vertritt die Interessen mächtiger Länder, vor allem der USA. Derzeit setzen sie ihre Politik fort, die – im Gegenzug für die Finanzierung – auf Plänen wirtschaftlicher Anpassung und dem Verlust der wirtschaftlichen Souveränität beruht.


Russischer Spitzenbanker: Internationaler Währungsfonds sollte abgeschafft werden

Der Chef der größten russischen Bank, der Sberbank, hat erklärt, dass der Internationale Währungsfonds tot sei und deswegen abgeschafft werden sollte. Andere Organisationen sollten nicht von dem Fonds abhängig sein, da er für Probleme nur veraltete Lösungen biete.

Der Geschäftsführer der russischen Sberbank Herman Gref hat erklärt, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Arbeit einstellen sollte. Während einer Rede, die er am Mittwoch vor dem 23. Kongress der Internationalen Organisation der Obersten Rechnungskontrollbehörden (INTOSAI) hielt, sagte er:

Ich habe nicht viel über höhere Rechnungskontrollbehörden zu sagen, aber was internationale Organisationen wie den IWF angeht, so sollten sie abgeschafft werden.

Ich denke, dass der IWF absolut tot ist.

Andere internationale Organisationen sollten nicht vom IWF abhängig sein, da er nur veraltete Problemlösung anbiete, so der Banker, der seit dem Jahr 2007 die größte russische Bank leitet.

Russland hat seine eigene Geschichte mit dem IWF, da es in einer wirtschaftlich schwierigen Situation nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion dort Geld aufnehmen musste. Gref erinnerte daran, dass die Organisation, als er in den 2000er-Jahren Wirtschaftsminister war, von Moskau verlangte, die Steuerlast zu erhöhen, die bereits 41 Prozent des nationalen BIP betrug.

Moskau schuldete dem internationalen Gläubiger Milliarden von US-Dollar, weigerte sich aber, die Empfehlungen im Bereich der Steuern umzusetzen und begann, seine Schulden zurückzuzahlen. Im Jahr 2005 gelang es Russland, die Kredite an den IWF drei Jahre früher als geplant zurückzuzahlen und überwies die letzte Zahlung in Höhe von mehr als drei Milliarden US-Dollar.

Montag

Maßnahme gegen Sanktionen: US-Dollar-Anteil an Russlands Außenhandel stark rückläufig

Russland ist es gelungen, den US-Dollar in Verträgen mit seinen Außenhandelspartnern zurückzudrängen und im Gegenzug den Anteil der Geschäfte in russischen Rubeln und Euro deutlich zu erhöhen. Das berichtet die internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft FinExpertiza.

Der Anteil der Platzierungen auf Dollarbasis im russischen Außenhandel sank zwischen 2013 - also bevor westliche Sanktionen gegen Russland eingeführt wurden - und 2018 um 12,6 Prozent. Dies zeigt eine Studie des Moskauer Beratungsunternehmens. Gleichzeitig steigerte Russland die in Euro abgewickelten Außenhandelsabkommen um 26,6 Prozent. Der Anteil in Rubel stieg um 14 Prozent.

Wirtschaftspolitische Sanktionen gegen Russland wurden seit 2014 von der US-Regierung eingeführt und von der Europäischen Union unterstützt. Die Sanktionen wurden verhängt in Reaktion auf den Beitritt der Krim in die Russische Föderation nach einem Referendum. Der Westen spricht von einer "Annexion". Seither wurden die Maßnahmen aus verschiedenen Gründen mehrfach ausgedehnt.

Russische Behörden hatten eine Reihe von Gegenmaßnahmen ergriffen, darunter die schrittweise Verringerung der Abhängigkeit des Landes vom US-Dollar im Bereich internationaler Verträge.

In fünf Jahren sank der Anteil des US-Dollars im Außenhandel Russlands auf 56,1 Prozent und betrug zuletzt 388 Milliarden US-Dollar. Der Anteil der vom Euro dominierten Handelsgeschäfte stieg auf 21,9 Prozent oder umgerechnet 151 Milliarden US-Dollar. Die Handelsverträge auf Basis des Rubels wuchsen auf 20 Prozent oder 136 Milliarden US-Dollar.

"Die Tendenz, den US-Dollar im Außenhandel abzuschaffen, ist offensichtlich. Dies ist der Weg zu einer stabileren Wirtschaft und zum Schutz vor Sanktionen", sagte Elena Trubnikowa, Vorsitzende des Vorstands von FinExpertiza, gegenüber RIA-Nowosti.

Dies gilt vor allem für den Export, da der Verkauf von Waren in der Landeswährung des Exporteurs natürliche nahliegend ist", sagte sie.

Die Exekutive stellte fest, dass die jüngsten Schritte zur Abkopplung vom Dollar – "Entdollarisierung" – den Anteil der Verträge in Rubel und Yuan im gegenseitigen Handel zwischen Russland und China deutlich erhöht haben. Der Anteil des Rubels an den russischen Exporten nach China wuchs um mehr als das Fünffache, während die von Yuan dominierten Verträge von Chinas Exporten fast auf das Neunfache stiegen.

Fernöstliche Anti-Dollar-Strategie: China hortet weiter Gold

Die People's Bank of China hat ihre Goldreserven im Februar erneut vergrößert und auf den Gesamtbestand von 1.874 Tonnen gebracht. Es ist der dritte Monat in Folge, für den eine Erhöhung vermeldet wurde. Das ist Teil der Strategie Chinas, sich vom US-Dollar abzuwenden.

Nach Angaben der Zentralbank hat sie in den letzten drei Monaten weitere rund 32 Tonnen des Edelmetalls in ihre Tresore aufgenommen, allein im Februar rund 10 Tonnen dazugekauft.

Vor Dezember 2018 hatte die chinesische Zentralbank seit mehr als zwei Jahren keinen Anstieg ihrer Goldreserven gemeldet, die offiziellen Zahlen blieben von Oktober 2016 bis November 2018 unverändert. Analysten zufolge versucht Peking nun, "seine Reserven zu diversifizieren", um sich vom Dollar zu lösen.

Der Anstieg der Goldbestände erfolgt zu einer Zeit, in der die Zentralbanken weltweit das Edelmetall horten. Im Januar fiel China hinter Russland auf den sechsten Platz der Länder mit den größten Goldbeständen in der Welt.

Die von den globalen Zentralbanken im Jahr 2018 neu angehäufte Goldmenge erreichte nach Schätzungen des World Gold Council (WGC) die zweithöchste jährliche Gesamtmenge seit der Gründung. Staaten kauften im vergangenen Jahr 651,5 Tonnen Gold und halten nun insgesamt fast 34.000 Tonnen. Der WGC prognostiziert, dass in Anbetracht der größeren Marktunsicherheiten und der immer größeren Verbreitung protektionistischer Wirtschaftspolitik Gold als "sicherer Hafen" im Jahr 2019 noch attraktiver wird.

Mittwoch

Russland baut Goldbestände weiter aus und überflügelt Saudi-Arabien bei Währungsreserven

Russland setzt den Trend fort, seine Wirtschaft vom US-Dollar abzukoppeln und auch zu diesem Zweck seine Goldvorräte kontinuierlich zu erhöhen. Inzwischen hält Russland die weltweit viertgrößten Währungsreserven und knapp ein Fünftel der globalen Goldbestände.

Russland hat seine Goldreserven im Juli weiter erhöht. Durch einen Zuwachs der Goldbestände um neun Tonnen stieg der Gesamtwert des von Russland gehaltenen Edelmetalls zum 1. August um 1,64 Prozent auf 92 Milliarden Euro (knapp 102 Milliarden US-Dollar).

Laut offiziellen Zahlen der Russischen Zentralbank (CBR) macht Gold inzwischen 19,6 Prozent der gesamten Reserven der Russischen Föderation aus. Insgesamt beläuft sich die Goldmenge auf mittlerweile 2.217,68 Tonnen, was 71,3 Millionen Unzen entspricht.

Mit neun Tonnen fiel der Anstieg im Juli vergleichsweise gering aus. Noch im Vormonat füllten sich die russischen Bestände um die doppelte Goldmenge. Dennoch zeigt es, dass Russland den Kurs der Ent-Dollarisierung seiner Wirtschaft fortsetzt und weiter auf Goldkäufe setzt, auch um US-Sanktionen zu umgehen.

Von Januar bis Juli kaufte die russische Regulierungsbehörde insgesamt 105,75 Tonnen des Edelmetalls in Form sogenannten Währungsgoldes. Dabei handelt es sich um physisches Gold, welches in besonders kleiner Form vorhanden ist und von Währungsbehörden wie beispielsweise Zentralbanken als Bestandteil der Währungsreserven gehalten wird. Es dient somit weniger dem Zweck einer profitablen Wertanlage, sondern als Mittel, um in Wirtschaftskrisen handlungsfähig zu bleiben.

Der größte Zuwachs der russischen Bestände in diesem Jahr erfolgte im Februar, als die Goldreserven der Nation um mehr als 31 Tonnen stiegen. Russlands Anteil an den internationalen Reserven wächst stetig seit dem Jahr 2007 und stieg im Juni von 19,35 auf 19,61 Prozent.

Russland rückt auf Platz 4 bei weltweiten Währungsreserven vor

Im vergangenen Jahr war Russland der weltweit größte Käufer von Gold und erwarb laut dem World Gold Council fast 275 Tonnen. Dabei handelte es sich um die größte Menge, die jemals in einem einzigen Jahr gekauft wurde.

Mit seinen Währungsreserven hat Russland jüngst Saudi-Arabien von Platz 4 im weltweiten Ranking abgelöst. Die russischen Reserven beliefen sich laut Zentralbank Mitte August auf 527,1 Milliarden US-Dollar.

Die drei Länder mit den größten Devisenreserven sind China, das über Reserven in Höhe von 3,1 Billionen US-Dollar verfügt, gefolgt von Japan mit rund 1,3 Billionen US-Dollar und der Schweiz, die Reserven in Höhe von circa 800 Milliarden US-Dollar hält.

Deutschland liegt knapp vor Mexiko auf dem 13. Platz und hält Reserven in Höhe von 187 Milliarden US-Dollar (Stand: Juni 2019).

Dienstag

Trotz Sanktionen: Russlands Vermögenswerte übertreffen Staatsschulden

Moskau baut seine Unabhängigkeit vom US-Dollar kontinuierlich aus. Dank der stetig wachsenden Gold- und Devisenreserven wurde die Verschuldungsquote Russlands zum ersten Mal seit dem Wirtschaftsniedergang durch westliche Sanktionen und den Ölmarktcrash von 2014 negativ. 

Zum 1. August belief sich die russische Staatsverschuldung (auf Föderal-, Landes- und Gemeindeebene) auf 16,2 Billionen Rubel (rund 247,3 Milliarden US-Dollar). Gleichzeitig beliefen sich die liquiden Mittel von Föderation, Regionen und außerbudgetären Fonds auf 17,6 Billionen (fast 268,8 Milliarden US-Dollar).

Das bedeutet, dass die russische Staatsverschuldung in der Summe niedriger ist als die Bestände des Landes, so die Berechnungen des russischen Business-Outlets RBK, die auf Zahlen der Zentralbank des Landes und des Finanzministeriums basieren. Dadurch könnte Russland in der Lage sein, Kredite, die sowohl von externen als auch von inländischen Gläubigern vergeben werden, vollständig abzudecken, indem es nur die von der russischen Zentralbank und den lokalen Geschäftsbanken gehaltenen staatlichen Einlagen verwendet.

Anfang dieses Jahres bestätigte der russische Präsident Wladimir Putin, dass die russischen Devisenreserven zum ersten Mal in der Geschichte des Landes vollständig die Auslandsschulden abdecken.

Russland erhöht ständig seine Goldvorräte und behält Gewinne ein, um seine Wirtschaft vom US-Dollar abzukoppeln. Moskau gelang es unter anderem auch, seine Abhängigkeit vom Öl deutlich zu verringern. Anfang dieses Monats erklärte der russische Minister für Wirtschaftsentwicklung Maxim Oreschkin:

Was in der russischen Makroökonomie von 2014 bis 2019 getan wurde, ist sicherlich etwas für die Geschichtsbücher.

Während große Reserven jedoch erheblich dazu beitragen, finanzielle Risiken für das Land abzuschwächen, können sie nach Ansicht von Analysten auch das Wirtschaftswachstum behindern. Während Russland im Jahr 2018 das höchste BIP-Wachstum der letzten sechs Jahre (2,3 Prozent) verzeichnete, schwächte sich die Wirtschaft bereits ab. Im zweiten Quartal 2019 war das BIP des Landes um 0,9 Prozent höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In den ersten drei Monaten wuchs die russische Wirtschaft nur um 0,5 Prozent.

Donnerstag

Australische Zentralbank stellt niedrigsten Leitzins ihrer Geschichte in Aussicht

Steuererleichterungen in Milliardenhöhe und Infrastrukturausgaben in jüngster Zeit haben die australische Wirtschaft nicht in Schwung gebracht. Die australische Zentralbank wird die Leitzinsen binnen eines Monats unter ein Prozent senken müssen.

Mehr als drei Milliarden Australische Dollar sind in Form von Steuersenkungen in den letzten zwölf Monaten auf die Bankkonten australischer Steuerzahler geflossen. Außerdem sind die Zinssätze für Hypothekenzinsen Mitte Juli von allen großen Kreditgebern gesenkt worden, um den Käufern weiteres Geld zur Verfügung zu stellen. Doch die Australier sparen oder begleichen ihre bestehenden Schulden; trotz der Finanzspritzen sind die Einzelhandelsumsätze im Juli zurückgegangen. Die Regierung in Canberra ist für ihre Wirtschaftspolitik in der Kritik.

Laut den am Mittwoch vorgelegten Zahlen wird die australische Wirtschaft um weniger als 1,5 Prozent wachsen und damit deutlich unter ihrem historischen Durchschnitt von 3 bis 4 Prozent liegen. Dies wäre das schlechteste Jahresergebnis seit 1990, als die Wirtschaft aufgrund einer Rezession um 1,4 Prozent schrumpfte. Die Einzelhandelsumsätze gingen im Juli um 0,1 Prozent zurück und stiegen gegenüber dem Vorjahr nur um 2,4 Prozent.

Premierminister Scott Morrison hat Unternehmen und Haushalte auf ein "sehr schwieriges Quartal" vorbereitet, aber die Einzelhandelszahlen vom Dienstag zeigen, dass die schlechten Aussichten voraussichtlich über das Geschäftsjahr 2019 hinaus anhalten werden.

Premierminister Scott Morrison hat Unternehmen und Haushalte auf ein "sehr schwieriges Quartal" vorbereitet, aber die Einzelhandelszahlen vom Dienstag zeigen, dass die schlechten Aussichten voraussichtlich über das Geschäftsjahr 2019 hinaus anhalten werden.

Die Zentralbank Australiens RBA beließ den offiziellen Zinssatz bei ihrer Sitzung am Dienstag bei einem Rekordtief von 1 Prozent, erklärte sich jedoch bereit, die Zinssätze weiter zu senken, um die Arbeitslosenquote zu senken und die Löhne anzuheben. Der Gouverneur der RBA, Philip Lowe, sagte, die Bank suche noch immer nach einer Straffung des Arbeitsmarktes, und fügte hinzu, dass eine Anhebung der Löhne eine "willkommene Entwicklung" sei.

Er zeigte sich jedoch auch zunehmend besorgt über die internationalen Aussichten und verwies auf zunehmende Risiken durch die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und China.

Im Außenhandel profitiert Australien jedoch von den internationalen Spannungen. Im Juni verzeichnete das Land seinen ersten Leistungsbilanzüberschuss seit 44 Jahren. Angetrieben von einem starken Anstieg der Warenexporte, verzeichnete Australien einen Überschuss von 5,9 Milliarden Australischen Dollar – eine Steigerung um 0,6 Prozentpunkte. Allein die Eisenerzexporte stiegen um 5,8 Milliarden AUD, was auf einen Preisanstieg von 20 Prozent zurückzuführen ist.

Analysten prognostizieren, dass der Leitzins bis Ende des Jahres 0,75 Prozent erreichen wird, und haben ihre Erwartungen für die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung auf ein Wachstum von 1,4 Prozent herabgestuft – deutlich weniger als von der RBA im April-Budget prognostiziert. Pessimistische Schätzungen sehen den Leitzins sogar bei 0,6 Prozent oder darunter.

Schatzmeister Josh Frydenberg hat den Australiern dennoch geraten, die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung in Betracht zu ziehen und sich auf einen zu erwartenden Aufschwung im September zu konzentrieren, wenn die Infrastrukturausgaben und Einkommenssteuersenkungen von bis zu 36 Milliarden AUD ihre Wirkung zeigen.

Deutschland: Vertrauen deutscher Unternehmen sinkt angesichts von Rezessionssorgen

Das Vertrauen der deutschen CEOs sank im August auf den niedrigsten Stand seit November 2012, so ein Geschäftsklimaindex eines Münchner Wirtschaftsforschungsunternehmens. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel in diesem Monat auf 94,3 Punkte, verglichen mit 95,8 Punkten im Juli, was den fünften monatlichen Rückgang in Folge bedeutet.

Der Ifo-Ökonom Dr. Klaus Wohlrabe sagte am Mittwoch in München, die Auswertung deute darauf hin, dass Deutschland vor einer Rezession stehe. "Die Unternehmen sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage weit weniger zufrieden, und der Pessimismus über die kommende wirtschaftliche Entwicklung breitet sich weiter aus", sagte er.

Zwei Hauptgründe liegen für die Verlangsamung der deutschen Wirtschaftsentwicklung vor, so Wohlrabe. Zum einen die wachsende Möglichkeit eines sogenannten "harten Brexits" und zum anderen der anhaltende Handelskrieg zwischen den USA und China.

 

Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im Frühjahr um 0,1 Prozent. Geht es im Sommer das zweite Quartal in Folge bergab, wird von Rezession gesprochen. Die Bundesbank hält das für möglich. "Die deutsche Konjunktur bleibt voraussichtlich auch im Sommer 2019 schwunglos", heißt es im aktuellen Monatsbericht. 

 

Der Ifo-Geschäftsklimaindex basiert auf der Befragung von rund 9.000 Unternehmen. Der Indikator gilt gemeinhin als verlässliche Schätzgröße für das künftige Wirtschaftswachstum in der größten Volkswirtschaft Europas.

 

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